Eltern (0011-2024)

Dies ist die Geschichte meiner Eltern, zusammengefasst aus meiner persönlichen, individuellen Perspektive und im Nachhinein.
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Im Nachhinein heißt, nach ihrem Tode und aus einem gewissen Abstand heraus erscheint ihre Geschichte als mehr oder weniger abgeschlossen. Freilich verändert sich die Sicht darauf und human wird selbst älter. Hatten meine Eltern so etwas wie einen Gesamtentwurf im Kopf, eine Vorstellung davon, wer sie sein wollten und was sie erreichen wollten? Ich meine ja, weshalb ich mit meiner Zusammenfassung versuche diesem Entwurf zu folgen. Ihr Entwurf hat sich in mir als das eingeprägt, was sie mir als Eltern sein wollten und waren: Sicherheit, Zuverlässigkeit und Anker in einer ansonsten anonymen Gesellschaft.
Wo anfangen?
Wenn wir alle eines gemeinsam haben: wir stammen von Eltern, Vater und Mutter, ab. Und möge mir jetzt niemand dazwischen grätschen und auf „In-Vitros“, uneheliche Kinder oder Vater unbekannt verweisen, „diverse Abstammung“ sozusagen. Wir haben biologische Vorfahren. Punkt. Eine andere Frage ist, ob wir auch eine Geschichte dazu haben. Das heißt ein eigenes, lebendiges, familiäres kulturelles Gedächtnis[1], auf das wir uns beziehen und in das wir unsere Lebensgeschichte einflechten können: Herkunft, Tradition, Überlieferung. Und freilich, es gibt Findelkinder, Stiefkinder und Stiefeltern. Märchen und Geschichten erzählen davon, um auch diesen eine kulturelle Heimat zu geben.
Vor einigen Jahren leitete ich ein Schulprojekt. Über ein ganzes Schuljahr erarbeitete ich mit einer kleinen Gruppe von Schülern und Schülerinnen eine Ausstellung für ein Museum. In einem Jahr schlug ich den Teilnehmern und Teilnehmerinnen vor, sich nach dem systemischen Ansatz über ihre Familien, ihre Herkunft untereinander vorzustellen und so einander kennenzulernen. Unser Projektthema damals war Jugendkultur. Deshalb überlegten wir: Was und wo haben die Eltern und Großeltern, vielleicht auch Onkel und Tanten gelernt? Wo gingen sie zur Schule? Was und wo spielten sie? Mit Erstaunen stellte ich fest, dass einige nur halbierte Geschichten erzählen konnten oder über ihre Familien eigentlich nichts wussten. Weshalb? Ihre Eltern waren geschieden. Auffällig waren deshalb zwei Mädchen, eine aus dem Libanon, die andere aus der Türkei. Beide konnten sehr lebendig und viel über ihre Familien erzählen. Offensichtlich trafen sich die Verwandten noch auf Feiern und in den Familien wurden Geschichten erzählt. Die drei anderen aus der Gruppe hörten mit großen Augen gespannt zu.
Ich bin in einer Familie aufgewachsen, wo sich Opa, Oma, Onkel und Tanten, Vettern und Basen noch regelmäßig zu Familienfeiern zusammenfanden. Dabei tauschte human sich rege aus. Sowohl väterlicher als auch mütterlicherseits waren es sieben Geschwister, also eine Menge Onkel und Tanten. Zudem wuchs ich in einem drei-Generationen Haus auf. Ich bekam Familiengeschichte(n) sozusagen frei Haus geliefert. Aber kann ich selbst auch Familiengeschichte erzählen? Damals war ich eher passiv und habe eigentlich nur zugehört. Aber freilich sollte ich das heute können, sollte human meinen, denn schließlich habe ich Geschichts- und Kulturwissenschaften studiert. Also sollte ich der Familiengeschichte mit sogenannten wissenschaftlichen Kriterien zu Leibe rücken? Mir scheint die eigene Geschichte einen anderen Zugang zu verlangen. Wie spreche ich über meine Eltern? Noch dazu, wenn es ein Textbeitrag für das Online-Offline Sammelprojekt Dinge – Exposé am Wegesrand sein soll. In jedem Fall möchte ich den Beitrag meinen Eltern widmen: Herbert und Dorle Kautz.
Worauf fußen meine Erinnerungen?
Kann ich mich an Geschichten erinnern, die meine Eltern oder andere über ihre Kindheit erzählt haben? Was ist bei mir hängen geblieben? Wir lebten im Haus unserer Großeltern väterlicherseits, das heißt es gehörte bereits meinem Vater, die Großeltern besaßen Wohnrecht. Meine Mutter stammte aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Gschwend im schwäbischen Ost-Alb-Kreis. 60-70 Kilometer auf überwiegend kurvigen Landstraßen mussten wir über die Löwensteiner Berge fahren, um die Verwandten mütterlicherseits zu besuchen. Das dauerte über eine Stunde. In den 1950ern als meine Mutter als Jugendliche in die Kleinstadt, gelegen an Kocher und Neckar, kam, wo sie meinen Vater kennen lernen sollte, war dies eine große Entfernung. Es war auch in den 1960er und 70er Jahren, als ich aufwuchs noch eine kleine Weltreise. Mit dem Fahrrad, nebenbei bemerkt, ein steiles Vorhaben, war doch ein Höhenunterschied von 300 Metern, von 150 auf ca. 450 Meter ü. M. zu überwinden. Zudem besaß nur mein Onkel, der mit einer der Schwestern meiner Mutter verheiratet war, ein Auto. Diese Schwester und ihr Mann waren übrigens der Grund, weswegen meine Mutter ins Unterland am Neckar zog. Mein Onkel war Friseurmeister und führte einen eigenen Friseursalon, dort ging sie in die Lehre.
Also vollgepackt im NSU-Prinz meines Onkels, wir kleinen Kinder auf dem Schoß der Erwachsenen, fuhren wir los. Anfang der 1970er Jahre kaufte mein Vater ihm den NSU-Prinz ab. Es war sein erstes eigenes Auto, und von da an konnten wir selber die Löwensteiner Berge hochfahren, das hieß auch ohne die anderen die Verwandten besuchen. Aber es blieb bei ungefähr zwei Fahrten im Jahr. Meine Familiengeschichte ist daher etwas einseitig, sozusagen Kochendorf lastig: im Alltag hatte ich hauptsächlich mit der Verwandtschaft meines Vaters zu tun. Wir trafen uns allein schon dreimal im Jahr, um Opas, Omas und Tante Annas Geburtstag zu feiern. Die drei wohnten in einer Art Wohngemeinschaft im oberen Stock unseres Hauses, in zwei getrennten Wohnungen. Tante Anna war unsere Großtante, die Schwester meiner Oma. Das alte Haus wurde von uns übernommen und mehrmals renoviert. Die Familienkonstellationen hatten sich bereits etwas verändert, als wir Mitte der 1980er Jahre in ein dahinter neu erbautes Mehrfamilienhaus umzogen. Das alte Haus wurde bald darauf abgerissen. Opa Linus, Oma Frieda und Großtante Anna mussten sich mit etwas weniger Wohnraum zufriedengeben. Ich selbst zog in die Einliegerwohnung, verließ aber meinen Heimatort 1986 und lebe seitdem im Norden. Zweimal im Jahr fuhr dann ich „nach Hause“, um meine Eltern und Geschwister zu besuchen. Die Gegenbesuche meiner Eltern und Geschwister waren seltener, aber immerhin ein paar Mal haben sie es doch geschafft. Telefoniert haben wir aber immer regelmäßig.
Kriegskinder
Meine Eltern gehörten beide zur Generation der Kriegskinder. „Im Krieg“ und „nach dem Krieg“ waren zeitliche Verortung von Geschehnissen und Ereignissen. Mein Vater, Herbert, wurde im Juni 1933 geboren, meine Mutter, Dora getauft aber immer Dorle genannt, im Oktober 1938. Herbert war das zweite von 7 Kindern – das erste 1932, das letzte 1944 geboren. Meine Mutter war als siebtes Kind ein echter Nachzügler. Alle der 4 Brüder waren im Krieg, einer ist „gefallen“, einer gilt als vermisst in Russland. Die beiden anderen kamen soweit unverletzt aus dem Krieg zurück. Wobei der eine in Ägypten in Gefangenschaft geraten war. Die beiden Schwestern waren mit Soldaten verheiratet. Einer davon war in russischer Gefangenschaft.
„Da kamen Tiefflieger“ und „Bomben fielen“, „Heilbronn brannte“. Heilbronn ist die Kreisstadt und etwa 9 km entfernt von unserem Wohnort Kochendorf. Die Verwandten in dem kleinen Dorf bei Gschwend konnten wegen der Höhenlage (Schwäbisch-Fränkische Waldberge) aus 60 km Entfernung noch das Feuer am Himmel erkennen! Eine Bekannte, die ich mit Tante anredete, überlebte den Feuersturm nach dem Bombenangriff auf Heilbronn[2] in einem Keller. Diese Geschichte war ein Teil von ihr, ein Attribut sozusagen. Auch über kleinen Orten und Gemeinden wurden Fliegerangriffe geflogen. Ein Geschoss traf unser Haus. Es wurde teilweise zerstört und musste wieder aufgebaut werden. Unserem Haus gegenüber befand sich der Luftschutzbunker. Den kannte ich und konnte ihn auch bei einigen Gelegenheiten betreten. Wir hatten damals kurioserweise einen Schlüssel dazu, vermutlich weil mein Vater Maurer und dort mit Restaurierungsarbeiten beschäftigt war. Der Schlüssel hing bei uns im Keller. Im Nachlass habe ich Fotoaufnahmen von den Befestigungsarbeiten im Innern des Bunkers gefunden.
Von Kriegsgefangenen und Häftlingen des Konzentrationslagers in Kochendorf wurde nicht so gesprochen wie von den Bombenangriffen und Tieffliegern. Nur ganz vage ist eine Beschreibung in meiner Erinnerung, dass KZ-Häftlinge an ihnen vorübergingen; vorbei an meinen Opa, vielleicht war mein Vater dabei, als sie in der Nähe des KZ auf den Feldern unterwegs waren. Ich meine es damals so aufgefasst zu haben, dass sie sich nicht getraut hätten, ihnen wenigstens einen Apfel zu gegeben. Liest man die Schilderungen der unmenschlichen Haft- und Lagerbedingungen unter erbarmungslosester Aufsicht, kann ich es nachvollziehen. Die Häftlinge mussten im Salzbergwerk in Bad Friedrichshall-Kochendorf Zwangsarbeit leisteten. Das KZ war ein Außenlager der Rüstungsindustrie, die das Salzbergwerk und die Stollenanlagen untertage als bombensichere Produktionsstätte nutzte. Das Lager selbst war einige Kilometer vom Bergwerk entfernt, die Häftlinge wurden zur täglichen Zwangsarbeit dort hingetrieben.[3]
Solche Kriegsgeschichten von Angriffen und gefährlichen Momenten für Leib und Leben wurden an den Geburtstagen von Opa Linus, Oma Frieda und Tante Anna erzählt, wenn der Kuchen und das Abendbrot abgeräumt waren und alle bei einem Gläschen Wein oder einem Bier beisammensaßen. Im Wohnzimmer, der guten Stube von Oma und Oma, waren das Sofa, alle Sessel und Stühle belegt. Oma und Opa hatten immerhin 6 Söhne und eine Tochter, die mit Ehefrauen und Ehemann und natürlich mittlerweile uns Enkelkindern zum Feiern kamen. Ich entsinne mich, dass ich als kleines Kind bei jemandem auf dem Schoß saß und die gemütliche Atmosphäre genoss und seltsamerweise die Erzählungen über Krieg und Bomben als nicht bedrohlich empfand. Vielleicht ist darin der Grund zu suchen, dass ich meine Eltern nach ihrem Tod eigentlich erst als traumatisierte Kriegskinder[4] und Nachkriegskinder begreifen lerne. So erzählte mein Vater, dass er in den letzten Kriegsjahren Angst hatte, als Hitlerjunge eingezogen und verheizt zu werden. Tiefflieger und Bombenangriffe prägten seine Kindheit. Meine Mutter hingegen war von solchen direkten Kriegserlebnissen weniger betroffen.
Bei meiner Mutter waren es die beiden im Krieg getöteten Brüder, die nicht mehr heimkamen, von denen sie manches Mal redete. Aber hat sie auch von der Trauer erzählt, davon wie ihr Vater und ihre Mutter, die anderen Geschwister darauf reagiert haben? Ich meine nein. In der Rede zu ihrer Trauerfeier fand ich einen Hinweis auf Kriegsgefangene, zu denen sie Kontakt gehabt haben musste: „Und von ihrer Kindheit an war sie ein offenes Haus gewohnt, in ihrer Heimat in Hohnkling hat sie das gelernt. Da saßen auch die Kriegsgefangenen mit an einem Tisch.“[5] Bei mir haben sich mehr die Geschichten von Kühen, zwischen denen sie als kleines Kind spielte eingeprägt. Und von den Schulwegen, die an kalten und nassen Herbst- und Wintertagen besonders qualvoll waren. Von der Unterwäsche aus grober Wolle, die nass wurde und kratzte, hat sie mir immer wieder erzählt. Aber den Lehrer mochte sie. Sie schien gerne zur Schule gegangen zu sein. Ich habe noch ihr Poesiealbum und unter den Fotos im Nachlass ihrer Sammlung fand ich sogar ein späteres Foto mit einer Schulfreundin. Auf der Rückseite stand: „Deine Schulfreundin Elsbeth“. Sie hatte also zu einigen immer Kontakt gehalten. Ja und nach Kochendorf, wo sie dann meinen Vater kennenlernen sollte, kam sie dann, um in die Lehre bei meinem Onkel zu gehen. Ob das ihre Entscheidung war und sie das wirklich selbst so gewollt hatte? Das hat sie nie erzählt, aber dass ihr Vater damals so etwas gesagt hätte wie: „Was machen wir mit dem Dorle? Soll die zu ihrer Schwester nach Kochendorf?“
Meine Großeltern mütterlicherseits, Opa Paul und Oma Riekle, durfte ich noch kennenlernen, wenn wir auf unseren „Tagesreisen“ zu Besuch waren. Opa Paul ist 1889 geboren und 1968 gestorben, Oma Riekle lebte von 1892 bis 1972. Ich kann mich an genau einen Gegenbesuch meiner Oma Riekle bei uns in Kochendorf erinnern. Eingeprägt hat sich mir das Elternhaus meiner Mutter. Opa Paul war Schreiner, gegenüber dem Wohnhaus war die Schreinerei und neben dem Haus eine Scheune mit Stall für die Kühe und der Misthaufen. Drum herum Obstwiesen und die Nachbarhäuser entlang der Straße. Bemerkenswert ist noch eine Großtante, die im oberen Stock ein kleines Zimmer bewohnte. Auch sie hießt Tante Anna, altschwäbisch Dote Anna (1884 bis um 1994). Als Kind dachte ich immer, das hätte etwas mit ihrem Zustand zu tun. Sie war bettlägerig und ganz dürr. Wenn wir zu Besuch kamen, gehörte es immer zu unserem ersten Gang, sie zu begrüßen. Ich erinnere mich an ihre zerbrechliche, knochige Hand und ihre dünnen weißen Haare. Als ihr 90. Geburtstag im Radio verkündigt wurde, saßen wir in Kochendorf gespannt in der Küche und lauschten der Ansage.
Wirtschaftswunder
Als junge Erwachsene erlebten meine Eltern den Wiederaufbau und das sogenannte Wirtschaftswunder nach den Entbehrungen und traumatisierenden Erlebnisse des Krieges. Meine Mutter wurde Friseuse (sic! So steht es im Stammbuch) im Geschäft ihres Schwagers. Mein Vater lernte Maurer, ging dann allerdings für einige Jahre in die Fabrik. Fabrik hieß bei uns NSU – heute Audi.[6] NSU in Neckarsulm war der Arbeitergeber in der Region. Nach dem Krieg wurden Fahrräder und Motorräder hergestellt, etwas später begann mit dem NSU-Prinz die Autoproduktion. Mein Vater erzählte mir einmal, wie er für die Lambretta-Motorroller das vordere Schutzblech biegen oder stanzen musste. Davon habe ich sogar eine kleine Videoaufnahme gemacht. Ich wollte „Verlorene Bewegungen“ sammeln und dokumentieren.
In den 50er Jahren also haben sich die beiden kennengelernt. Wo und wie genau, kann ich nicht sagen. Es war nicht Teil ihrer Erzählung, in dem Sinne, dass es nicht durch wiederholtes Erinnern durch Erzählen an uns weitergegeben wurde. Erst nach dem Tod meiner Mutter erzählte mir mein Vater einmal, dass er von einem Fremden als „der“ Torwart vom TSV erkannt wurde, als die beiden mit dem Fahrrad bei einem Sonntagsausflug etwas außerhalb unterwegs waren. Meine Mutter, so meinte er, hätte sich über seine Bekanntheit gewundert. Vermutlich haben sie sich von alltäglichen Begegnungen in der Nachbarschaft gekannt. Schließlich lagen das Friseurgeschäft des Schwagers und das Zuhause meines Vaters nur etwa 100 Meter voneinander entfernt. Meine Mutter wohnte auch dort
Mein Vater war ihr also sicherlich immer mal wieder über den Weg gelaufen und ist ganz bestimmt zum Haarschneiden ins Geschäft gekommen. Und mein Vater war in den 50er Jahren kein Unbekannter, wie oben über die Anekdote mit dem Fahrradausflug bereits angedeutet. „Kautz 1“, „Kautz 2“ „Kautz 3“ – die drei ältesten Brüder waren regional bekannte Fußballer und ihre Mannschaft sehr erfolgreich. Mein Vater war Torwart und sollte das den Rest seines Lebens bleiben. Sein Selbstbewusstsein und Selbstverständnis ruhten in der Zeit und den Erlebnissen als er ein junger Mann und Fußballer war. Doch eine Karriere im Fußball, wie beispielsweise durch die Berufung in die württembergische Auswahlmannschaft in der Saison 1956/57, konnte er bei allen drei sich bietenden Gelegenheiten wegen Verletzungen nicht weiterverfolgen. Zwei Angebote von größeren Vereinen, wie dem VfR Mannheim und dem VfB Stuttgart, lehnte er ab, wie in der Heilbronner Stimme vom 16. Juni 1998 anlässlich seines 65. Geburtstages zu lesen war. Als Torwart lebt man nicht ungefährlich, zumal damals auch etwas rauer gespielt wurde. Bei einer Torauseinandersetzung traf ihn der Fuß eines Gegners im Gesicht. Auf älteren Bildern kann man noch die Goldzähne erkennen, die danach die schmerzliche Lücke füllten. Meine Eltern haben 1957 geheiratet. Auf den Hochzeitsbildern sieht man die Mannschaft Spalier stehen. Die Trauung fand im Heimatort meiner Mutter statt. Aus dieser Zeit vor und nach ihrer Hochzeit stammen einige Fotos, die die beiden auf Ausflügen zeigen, die sie immer gemeinsam mit anderen, meist Fußballern zeigen. Mein Vater kam auf einem dieser Ausflüge sogar einmal bis nach Venedig. Unterwegs wurden, wenn ich es recht deute, ein oder mehrere Freundschaftsspiele absolviert.
„Nach Italien“ lautete in den Nachkriegsjahren für viele junge Leute das Urlaubsziel, wenn es nicht anders ging sogar mit dem Fahrrad, wie mir ein Bekannter erzählte, oder dem Moped. Spätesten mit der Geburt von meinem älteren Bruder (1961) und mir (1962) dürften solche Unternehmungen passé gewesen sein. Selbst Badeausflüge waren bei meinen Eltern Seltenheit, weshalb ich im Sommer immer bei einer älteren Cousine (meiner Patin) als Anhängsel mehr oder weniger meinen Sommerurlaub verbrachte. Sie und ihr Mann fuhren bepackt mit Kindern und Kegel (Schlauchboot und Luftmatratze!) bei schönem Wetter regelmäßig an einen Badesee und nahmen mich mit. Ich übernachtete oft bei ihnen, passte auf ihre zwei Kinder auf und meine Eltern besuchten mich abends. Kurz vor seinem Tod erzählte mein Vater, dass er zeit seines Lebens Angst vor dem Wasser hatte, weil er als Kind mit ansehen musste, wie eine Wasserleiche aus dem Kocher geborgen wurde.
Meine Mutter habe ich nicht als sportlich erlebt, kann mich aber erinnern, dass sie als ich noch klein war, einmal die Woche zum Frauenturnen ging. Nach dem Turnen saßen die Frauen noch im Gasthof Adler beisammen, das Lokal befand sich direkt gegenüber dem Friseurgeschäft. Es war damals die Gaststätte für Vereinstreffen, Sitzungen von Geschäftsleuten und bot Mittagstisch, der von Geschäftsleuten, Angestellten der örtlichen Unternehmen sowie dem Lehrerkollegium der Realschule reichlich frequentiert wurde. Emma Schmieg war die resolute Wirtin. Ich erwähne sie hier, weil sie mit meiner Tante aus dem Friseurgeschäft befreundet war und ich ihr später, als ich schon längst im Norden lebte, immer mal wieder begegnete, wenn ich auf Heimaturlaub war. Nach der Trauerfeier für meine Mutter klopfte sie, als ich gerade ins Auto eingestiegen war, mit ihrem Holzstock gegen die Autotür, um mich zu grüßen und wir wechselten ein paar Worte. Meine Eltern haben mir ein Kalenderbuch geschenkt, in den meine Mutter die Geburtstage von Verwandten und eben unter anderem auch von Emma Schmieg eingetragen hat. Der Kalender dient mir heute als Quelle, obwohl leider doch ein paar Daten fehlen.
Selbstverständlich gab es in den 1950er und noch bis in die 1970er und 80er Jahre viele andere Lokalitäten. Alle hatten gewissermaßen ein eigenes Stammlokal für Vereinstreffen, das Feierabendbier oder Familienfeiern. Dem Aussterben dieser Alltagskultur konnte ich im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte zusehen. Das betrifft auch die Bäcker, Metzger und anderen Geschäfte: alle sind verschwunden. Als mein Vater 2018 starb, war er fast der letzte Alteingesessene in dem Areal zwischen Turnhalle, unserem Haus, dem Friseurgeschäft, der Gaststätte Adler und dem alten Ortskern. Er sei der letzte „Mohikaner“ in der Straße und in der „Ecke“, meinte unser alter Nachbar, der meinem Vater mit diesen Worten zum Geburtstag gratulierte. Der Nachbar und seine Frau hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihr Haus verkauft und damit ihren Wegzug oder besser gesagt „Abzug“ angekündigt. Mein Vater starb kurz darauf. Die Protagonisten und die Spuren des Wirtschaftswunders der 1950er und 60er Jahren sind verschwunden. Es war ein Geflecht von Verwandtschaften, Bekanntschaften und Beziehungen untereinander in dem sich meine Eltern ganz zu Hause fühlten. Jeder kannte jeden, alles war eine gewachsene Beziehung. Der Gipfel war der Bau eines neuen Hauses, womit ein Generationswechsel und eine neue Zeit anbrachen.
Das alte und das neue Haus
Eigentlich beginnt das neue Haus etappenweise schon im alten mit dem Einzug des Telefons. Die Pioniere waren aber die Großeltern! Das war um 1980 herum. Wichtige Telefonate liefen bis dahin über meine Tante im Friseurgeschäft. Meine Eltern zogen erst zwei drei Jahre später nach. So war es bei allen Neuerungen: Wir waren nicht die ersten! Im alten Haus wurden die Öfen noch mit Kohle und Holz befeuert. Aber unsere Wohnräume immerhin von einem zentralen Ofen im Keller. Alle anderen Wohnräume waren noch mit einzelne Holzkohleöfen bestückt. Wenn bei uns einer Baden wollte (Duschen war etwas für Neureiche), musste vorher an das Beheizen des Wasserkessels im Badezimmer gedacht werden.
Selbstversorgung mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten wurde von meinen Eltern wie selbstverständlich nach Feierabend erledigt. Das hieß Gartenarbeit und Ernten. Meine Mutter machte Bohnen, Zwetschgen, Kirschen und Birnen ein. Die Kirschen ersteigerte meine Oma Frieda, das heißt sie ersteigerte einen Baum in der Kirschenallee, den wir dann abernten durften. Die gesamte Sippschaft rückte dann mit Zubern, Eimern und Leitern bewaffnet an und erntete den Baum gemeinsam an einem Samstag ab. Werktags waren die Männer auf der Arbeit. Kartoffeln und Äpfel wurden zugekauft und im Keller eingelagert. Auch hatten wir einen Mostkeller. Das Obst, die Falläpfel und Birnen, sammelten wir von einer Obstwiese auf, die eigentlich nicht uns gehörte. Dort machte sich auch eine riesige wilde Brombeerhecke über einer oberirdischen Quelle breit, die uns köstliche Brombeermarmelade bescherte. Brombeer- und Erdbeermarmelade, Quittengelee und Mischungen mit anderen Beeren aus dem Garten wurden von meiner Mutter eingekocht. Nicht zu vergessen: der Holundersaft. Wir kauften nie Marmelade hinzu. Bis heute finde ich keine Brombeermarmelade die auch nur ansatzweise an sie heranreicht, auch keine „Bio“ Marmelade. Marmelade heißt im Schwäbischen übrigens Gselz, wir sagten immer als Witz: „Ggselz wie Gsangbuch oder Xaver! Ganz modern war Nutella, gekauft wurde aber Nussfit, das war billiger – wir mussten sparen. Sparen ist übrigens ein wichtiges Stichwort. Es wurde immer gespart. Wofür? Fürs Haus, fürs Auto, für größere Anschaffungen und drohende Reparaturen – und für uns Kinder.
Meine Eltern fuhren mit uns nie in den Urlaub. Wir gingen sonntags spazieren. Seinen Sommerurlaub nutze mein Vater für anstehende Renovierungsarbeiten wie beispielsweise Tapezieren. Häufig gab es Ausflüge mit dem Fußballverein, aber zu der Zeit war mein Vater als Fußballer schon in der Reserve, spielte in der „Altherren-Mannschaft“ und war dann irgendwann nicht mehr aktiv. Ganz schwach kann ich mich erinnern, dass ich ihn sogar mit seinen „Altherren“ noch auf dem Fußballrasen gesehen habe. Unsere Sonntage waren also geprägt von Ausflügen zu Fußballplätzen. Die Männer standen drum herum und kommentierten lautstark das Spielgeschehen. Währenddessen machten die Frauen mit den Kindern kleine Spaziergänge oder standen eher etwas abseits davon. (Gitte sang: „Er steht im Tor und ich dahinter.“) Wir Kinder turnten auf dem Gestänge des Geländers herum, das den Fußballplatz umsäumte. Wir übten auf der Stange sitzend Purzelbäume kopfüber schlagen. Danach gab es mit Glück noch Eis oder Sinalco im Vereinslokal. Spätestens zur Sportschau mussten wir wieder zuhause sein, denn dann wollte mein Vater die Zusammenstellung der wichtigsten Fußball- und Sportereignisse im Fernsehen sehen.
Eine besondere Aktion mit meiner Mutter waren die Fahrten zu einer Cousine meines Vaters. Sie war an Multipler Sklerose erkrankt und saß im Rollstuhl, konnte kaum noch aus dem Haus. Von Zeit zu Zeit fuhr ich mit meiner Mutter mit dem Bus zu ihr in den Nachbarort, damit meine Mutter ihr die Haare machen konnte. Ich sehe noch den hellblauen, originalen Karton vor mir, in dem wir die Trockenhaube mitschleppten, ich weiß nicht wie wir das geschafft haben. Vielleicht hat sie mein Vater auch tags zuvor mit dem Auto dahin gebracht. Die Trockenhaube gehörte meiner Oma und kam oft zum Einsatz. Meine Mutter legte der Cousine eine neue Dauerwelle und nach der ganzen Prozedur wurden wir abends abgeholt. Als Dankeschön für das Haare machen bekam wohl gemerkt ich ein Kleidchen. Tante Liese, meine Großtante und Mutter der Cousine, nahm mich bei der Hand und ging mit mir im örtlichen Modehaus einkaufen. Ich durfte das Kleidchen selbst auswählen. Es war blaukariert und ich war mächtig stolz darauf. Finanziell war das eine echte Hilfe, denn solch eine Sonderausgabe hätten meine Eltern sich nicht unbedingt leisten können.
Meine Mutter arbeitete zu der Zeit schon nicht mehr als Friseurin, sondern festangestellt als Putzfrau nachmittags ab 16 Uhr. Sie konnte so tagsüber ihrer Arbeit zuhause als Hausfrau nachkommen, war für uns Kinder immer zuhause bereit und zuverlässig stand nach der Schule das warme und frisch gekochte Mittagessen – schwäbische Küche – auf dem Tisch. Maultaschen, Dampfnudeln und Salzkuchen (wenn Besuch kam) waren beispielsweise ihre Spezialitäten. Sie hatte gefräßige Mäuler zu stopfen. Sonntagvormittags stand sie immer in der Küche und bereitete den Sonntagsbraten mit Spätzle und Salat. Gedankt haben wir ihr es selten. Im Schwäbischen gilt: „Net gschimpft isch gnug globt.“ Zum Haushalt gehört damals noch Handarbeiten und Näharbeiten an der Nähmaschine, wie Arbeitskleidung ausbessern, Hosen kürzen, Strümpfe stopfen. Eine Zeitlang war es in den 1970ern schwer in, selbst Hosen- und Röcke zu schneidern. Modehefte boten Schnittmuster an. Mir nähte sie eine „Rundhose“ in lindgrün und eine in schwarz. Sie selbst trug damals, wie viele Frauen, noch keine Hosen, nur Röcke oder Kleider. Als abendliche Freizeitbeschäftigung stickte sie einige großformatige Bilder, die anschließend in der Wohnung aufgehängt wurden. Dabei hörte sie Radiosendungen während wir „Fernseh“ guckten. Oder sie schrieb Briefe mit Neuigkeiten an ihre beiden Tanten in der Schweiz. Auch mir schrieb sie immer mal kurze Briefe oder Postkarten. Hin und wieder finde ich solche Grüße als Lesezeichen zwischen den Seiten meiner Bücher.
Die Festanstellung als Putzfrau (nicht Reinigungskraft!) bei der Niederlassung einer Brauerei bescherte meiner Mutter – ihrem Selbstverständnis nach Hausfrau – während unsere „Aufzucht“ eine solide Rentenabsicherung und Selbstbewusstsein. Sie war dort „jemand“. Alle kannten sie. Das Firmengelände befand sich gleich nebenan, wir werden weiter unten nochmals davon hören. Mit meinem kleinen Bruder (geboren 1969) ging ich oft rüber zu ihr und half mit: Bohnern und Staubsaugen im Bürogebäude oder im Schalander der Bierführer Aschenbecher (Berge von Stummeln der Marken Reval und Ernte23) ausleeren und die Umkleide- und Waschräume sauber machen. Die Bierführer saßen da oft noch herum und tranken ihr Feierabendbier. Einmal im Jahr war Großauftakt, wenn die namhafte Brauerei mit Hauptsitz in Stuttgart all ihre Bediensteten und Mitarbeiter der zahlreichen Niederlassungen im Ländle zur Weihnachtsfeier in die Liederhalle einlud. Und meine Mutter mit Ehemann war als Putzfrau ganz selbstverständlich mit eingeladen. Und nicht zu vergessen: Wir bekamen Haustrunk! Das hieß monatlich regelmäßig mehrere Kisten Bier zum Vorzugspreis. Und wenn regionale Volksfeste stattfanden, wie beispielsweise der Wimpfener Talmarkt erhielten wir ein Kontingent an Marken für Vergünstigungen im großen Bierzelt. Als die Niederlassung umzog, hielten die Vorzüge noch an, aber insgesamt waren die goldenen Jahre vorbei. Einige schlaue Herren oder Damen in der Führung wussten plötzlich, dass alles nicht mehr so sauber sein muss, und meine Mutter musste nicht mehr täglich putzen gehen.
Damit begann ihre Zeit als Zeitungsausträgerin für die Heilbronner Stimme. Dies tat sie mit der gleichen Selbstbestimmtheit wie das Putzen, das frühe Aufstehen bei Wind und Wetter wurde aufgewertet als sinnvolle Belieferung der Kochendorfer mit der Tageszeitung. Außerdem hatte sie so früh morgens die Straßen für sich alleine. Auf einer Strecke wurde sie manchmal von unserer Katze begleitet. Zur Weihnachtszeit bekam sie viel Anerkennung, kleine Geldbeträge und beispielsweise Bohnenkaffee. Die Zuwendungen wurden akribisch aufgelistet, damit sie sich anschießend dafür bedanken konnte. Nachdem mein Vater 1993 Rentner geworden war, trugen die beiden die Zeitung fortan gemeinsam aus, bis auch meine Mutter einige Jahre später ihr Rentenalter erreichte.
Etwas muss ich hier noch erwähnen. Als Teenager ging ich mit meinen Freundinnen gerne in die Disko. Allerdings durften wir dort nur bis 22 Uhr bleiben, weil wir noch keine 18 waren. Mein Vater holte uns dann immer ab. Samstagabends lief nämlich immer das Aktuelle Sportstudio mit Harry Valérien und Dieter Kürten. Er ist deshalb länger wach geblieben und nicht wie sonst auf dem Sofa eingeschlafen. Überhaupt hat er immer solche Fahrdienste geleistet, zum Beispiel im Sommer, wenn wir Kinder – in meiner Erinnerung fast täglich – in einem der Freibäder der umliegenden Orte waren. Oder meine Mutter musste abgeholt werden, sie hatte keinen Führerschein. Das war anfangs noch an jedem Arbeitstag nötig, nachdem die Niederlassung der Brauerei, bei der sie werktags täglich 3 Stunden putzen ging, ins Industriegebiet umgezogen war. Bis dahin war es einfach und bequem: das Firmengelände befand sich ja in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Haus und war direkt über eine Gartentür von unserem Hof aus zu erreichen. Zu diesem Firmengelände gehörten die bereits erwähnte Brombeerhecke und Obstwiese in Hanglage mitsamt einem großen Gartengelände, das wir mit bewirtschaften konnten. Auf unserem Grundstück hinter dem alten Haus befand sich zwar ein eigener Nutzgarten, der aber gehörte Opa Linus.
Ich war auf dem riesigen Areal der ehemaligen Brauerei gewissermaßen zuhause und strich oft auf geheimen Pfaden, die mich vom Garten zum Hang mit der Obstwiese führten. Ein Trampelweg verlief zwischen dicht gewachsenen Sträuchern, Haselnuss-, Holunder und Fliederbüschen durch ein kleines Wäldchen hinter dem Firmengebäuden bis dorthin. Mit dem Umzug des Unternehmens begann auch die Planung unseres neuen Hauses. Das gesamte Areal wurde zu einem Sanierungsgebiet erklärt, die Gebäude abgerissen. Man muss bedenken, dass die Anlagen und Rampen, größtenteils vor 1900 errichtet, einst noch für den Umschlag mit Pferdegespannen gebaut waren. Die Gebäude waren unterkellert, gekühlt wurde in den frühen Jahren vor der Verbreitung der Elektrizität mit Eisblöcken, aus dem Kocher und anderswo her. Mit der Deklarierung des gesamten Areals zum Sanierungsgebiet rückte der Neubau eines Hauses auch für meine Eltern in finanzierbare Reichweite. Die Gärten und Obstwiese gibt es heute nicht mehr, sie mussten dem Neubaugebiet weichen.
Die Baustelle
Zwei Jahre lang wurde gebaut, nachdem meine Eltern und mein älterer Bruder mit seiner Frau beschlossen hatten, den großen Schritt zu vagen. Zusammen mit einem Architekten am Ort wurde geplant. Das war gar nicht so einfach, wieder alle Parteien unter ein Dach zubringen: Großeltern und Großtante, unsere Eltern, mittlerweile mein älterer Bruder mit Frau und dem ersten Kind, mein jüngerer Bruder und meine Wenigkeit. Im Obergeschoss sollte als Mitbauherr der Älteste mit Familie und die Großeltern in je separaten Wohnungen unterkommen. Das mittlere Geschoss war für die Wohnung meiner Eltern vorgesehen, mitsamt Jugendzimmer für meinen noch schulpflichtigen jüngeren Bruder. Tante Anna erhielt eine Einzimmerwohnung in einem Art Zwischenstock und ich zog in die Einliegerwohnung unten ein.
Das Haus wurde in Eigenregie und Eigenleistung errichtet. Mein Vater war schließlich Maurer, mein älterer Bruder Zimmermann und auch der jüngere zeigte schon von Kindheitstagen an seine Ambitionen für das selbstständige Handwerken. Monatelang wurde nach Feierabend und an Samstagen daran gearbeitet. Praktisch war, dass der Neubau direkt hinterm alten Haus entstand, so konnten alle Helfer bequem versorgt werden. Samstags waren alle im Einsatz. Meine Mutter kochte gerne für viele Leute und betrieb Großküche. Auch ich war gefragt: Einkaufen, Tischdecken, Abräumen, Abwasch, zur Stelle sein. Wir besaßen noch keine Spülmaschine. Brüder meines Vaters halfen mit wo sie konnten. Aber insgesamt war dies natürliche eine sehr anstrengende Zeit. Und dass meinem Vater just in dieser Zeit seine altvertraute Stelle wegen Umstrukturierungen gekündigt wurde – der Junior übernahm das Bauunternehmen bei dem er arbeitete –, kann fast als Glücksfall bezeichnet werden. Konnte er sich so doch von A-Z ganz seinem Traum widmen: dem eigenen Hausbau. Ich selbst stand der ganzen Aktion etwas distanziert gegenüber, mir fehlt das schwäbische Häuslebauer Gen. Aber immerhin habe ich beim Verfugen der Kacheln in fast sämtlichen Badezimmern und Toiletten geholfen.
Als der Bau schließlich stand, zogen wir alle nach und nach um, ich als letzte. Es war etwas unheimlich im alten, ausgeräumten Haus. Zum Glück leistete mir unser alter Hund nachts noch Gesellschaft. Das alte Haus wurde nach ein, zwei Jahren abgerissen. An seiner Stelle entstand auf dem neu angelegten Grundstück ein anderes, ein Einfamilienhaus. Die Neubebauung des Areals war damit jedoch noch nicht abgeschlossen. Neben uns entstand auf einem größeren Grundstück eine Art Luxusanwesen und dahinter so nach und nach eine Siedlung mit Eigenheimen. Zu den neuen Nachbarn versuchten meine Eltern immer ein gutes Verhältnis zu haben. Aber der Umgang untereinander war doch etwas anderes, wie der unter den alteingesessenen Nachbarn in der Straße. Man war insgesamt etwas distanzierter.
Die Zeit nach dem Umzug ins neue Haus und die nachfolgenden 1990er Jahre erlebten meine Eltern sicherlich als gute Zeit. Sie hatten viel gestemmt und geleistet. Wir Kinder waren groß geworden, hatten alle eine gute Ausbildung genossen und waren nun berufstätig. Bei meinem älteren Bruder kam mit der zweiten Tochter nochmal Nachwuchs. Die Enkelkinder lebten im Haus und verbrachten viel Zeit bei meinen Eltern.
Ich war schon Ende der 1980 ausgezogen. Die Einliegerwohnung wurde eine Zeitlang vermietet, bis mein jüngerer Bruder mit seiner Freundin nachfolgte. Die beiden heirateten und sollten dort wohnen bleiben, bis auch sie sich Anfang der 2000er Jahre aufmachten, um ein eigenes Haus zu kaufen.
Die Großeltern und Tante Anna waren mittlerweile verstorben und die obere Etage wurde jetzt ganz von meinem älteren Bruder mit Frau und den beiden Mädchen bewohnt. Die Einliegerwohnung und die kleine Wohnung auf dem Zwischengeschoss erfuhren immer wechselnde Benutzung. Sogar ich hatte die kleine Einzimmerwohnung vor meinem Wegzug noch einige Zeit zusätzlich zur Einliegerwohnung als Schlafzimmer genutzt, nachdem Großtante Anna ihre letzten Lebensjahre darin verbracht hatte. Und nachdem Oma gestorben war, zog Opa Linus von der oberen Wohnung in die kleine Einzimmerwohnung. Nach seinem Tod wurde sie zeitweise als Saunaraum genutzt. So war es schon im alten Haus: Es fanden immer wieder Neueinteilungen und Umnutzungen statt.
Verdienter Ruhestand
Die 1990er Jahren waren in gewisser Weise die Hochphase, zumindest mir scheint das im Nachhinein die richtige Beschreibung. Alles war geschafft: das Haus gebaut, die Kinder erwachsen und die Rente gesichert. Mit dem Zuverdienst durch das Zeitungsaustragen hatten die beiden ein gutes Auskommen. Noch wohnten die beiden Söhne mit ihm Haus, zwei Enkelkinder tobten herum und saßen fast immer mit am Mittagstisch. Der Tisch im Esszimmermeiner Eltern war zum zentralen Sammelpunkt geworden und die Großfamilie eine Art Kleinunternehmen. Der älteste, der auch Mitbesitzer des Hauses war, hatte sich nämlich mittlerweile als Zimmermann und Meister selbstständig gemacht: Der jüngere Bruder sattelte noch eine Ausbildung drauf, um bei ihm als Angestellter einzusteigen. Mein Vater konnte als erfahrener Handwerker bei allem Möglichen mithelfen, ohne in die alte Zwangsmühle eintreten zu müssen. Die beiden Schwiegertöchter waren berufstätig und arbeiteten auswärts als Angestellte. Meine Mutter bekochte alle und konnte so die Sippschaft um sich versammeln. Nur ich war weit weg, blieb ledig und kam zweimal im Jahr zu Besuch.
Meine Mutter war immer für andere da. Sozial hieß bei ihr freiwillige Selbstverpflichtung, das heißt selber schauen, ob jemand Hilfe braucht. Zusammen mit ihrer Schwägerin, der einzigen Schwester meines Vaters, kümmerte sie sich um die drei Alten – Tante Anna, Oma, Opa – als diese bettlägerig wurden. Ein Pflegedienst wurde für die tägliche Körperpflege bestellt. Alle drei konnten bis zu ihrem Lebensende zuhause bleiben. Auch bei anderen in der weiten Verwandtschaft bot sie ihre Begleitung an. Das Engagement in der evangelischen Kirchengemeinde ging von ihr aus. Mein Vater wurde mit einbezogen, wenn er gebraucht wurde, zum Beispiel für Fahrdienste. Sie half regelmäßig beim Altennachmittag, wenn es bei Kaffee und Kuchen Veranstaltungen für die noch älteren Gemeindemitglieder gab. Überhaupt pflegte sie den Kontakt zu den Pfarrern mit ihren Familien. Auch dort galt es Notzeiten zu überstehen, beispielsweise als ein Pfarrer nach schwerer Krankheit starb und seine Familie Unterstützung brauchen konnte. Hier bügelte sie die Wäsche.
Bei meinen Eltern kamen oft Leute zu Besuch, um etwas vorbeizubringen und einen kurzen Schwatz zu halten. Zusammen etwas „Schwätzen“ ist wie „Schaffen“ typisch Schwäbisch. Ich habe oben ja schon von der Brauereiniederlassung erzählt, bei der meine Mutter putzen ging. Zu einem der ehemaligen Leiter bestand noch Kontakt, nicht selten habe ich seine Frau bei meiner Mutter am Esstisch angetroffen. Die beiden unterhielten sich über „Gott“ und die „Welt“. Der Glaube war ein zentraler Aspekt, da spielte es keine Rolle, wenn die Frau Zeugin Jehova war. Glaube war bei meiner Mutter nicht frömmlerisch, sondern ganz praktisch soziales Für- und Miteinander, sich für einander interessieren und sich kümmern. Daneben las sie auch gerne, nicht nur in der Bibel. Mein Vater war, was das Helfen anbelangt, ähnlich veranlagt. In punkto Kirchengemeinde und Religion nahm ich ihn jedoch eher als „Mitläufer“ war, wenn ich das so sagen darf. Er war ganz bestimmt keine Kirchengänger.
Neben all dem Tätigsein fanden die beiden aber auch Zeit und Anschluss, um mit anderen, jetzt in den 1990ern, auch größere Ausflüge und Reisen mit dem Bus, sogar bis nach Versailles und nach Südfrankreich zu unternehmen. Ich kann mich nur an eine Kurzreise entsinnen, die die beiden früher einmal, um 1980 herum, unternommen hatten. Ich weiß nicht mehr genau, ob es die Nordsee oder Ostsee war. Jedenfalls war es im Winter und diese Schiffsreise eine markante Ausnahme. Die Ausflüge in den 1990ern wurden vom örtlichen Gesangverein organisiert, der Reisebus wurde von einem der Mitglieder selbst gefahren. Es wurde bei diesen mehrtägigen Reisen hauptsächlich gewandert. Gemeinschaftlich etwas machen, war wichtig. Gut süddeutsch gesprochen, war es immer eine „Gaudi“. Mit diesen Leuten fühlten sie sich wohl, obwohl sie selbst ja keine aktiven „Gesangsvereinler“ waren!
Diesen Unternehmungen war kurioserweise zu verdanken, dass ich zu einem längeren Englandaufenthalt kam. Der Verein plante einen größer angelegten Englandausflug, das hätte schon einiges für meine Eltern gekostet. Und was machten sie? Sie kamen auf die Idee, dass ich für dieses Geld ja viel länger nach Great Britain könnte! Ich studierte damals und etwas Englisch in der Praxis war sicher gut für mein Verständnis der Sprache. So kam es, dass ich für fast 2 Monate auf die Insel flog, 3 Wochen in London verbrachte, dann von England nach Schottland hochtrampte, und in Etappen mit der Bahn und mit dem Zug wieder zurück nach London zum Flughafen fuhr. In der Nähe von Scarborough bot mir ein Mann beim Trampen an, für 10 Tage in seiner Zweitwohnung, die er gerade nicht nutzte, kostenlos wohnen zu können. Geld gespart! Das Trampen machte das Reisen günstig und bot mir zusätzlich meine „daily conversation“.
In dieser Zeit verbracht ich mit meinen Eltern auch zweimal Kurzurlaub. Einmal auf der Schwäbischen Alb und einmal trafen wir uns in der Lüneburger Heide. Ich musste 30 werden, um mit meinen Eltern gemeinsam Urlaub zu machen. Wir mieteten beide Male eine Ferienwohnung und konnten ganz gut zusammen hausen. Irgendwann brachte ich meinen jetzigen Freund und Lebensgefährten mit nach Süddeutschland und meine Mutter war ganz glücklich, dass ich jetzt endlich fester liiert war. Wir Kinder konnten eigentlich immer alle unsere Freunde mit nach Hause bringen, sie fanden immer Platz am Küchentisch.
Die letzten Jahre
Die letzten Jahre waren für die beiden nicht so leicht, wie sie es sich vorgestellt hatten. Anfang der 2000er Jahre liefen die Geschäfte anders und in den modernen Familien ist der gegenseitige Halt unter Umständen nicht mehr so stark und verbindlich wie es früher mal war. Mein älterer Bruder und seine Frau ließen sich scheiden, er verkaufte seinen Hausteil. Seine Kinder blieben bei ihm, waren aber immer noch oft bei meinen Eltern, eine wohnte sogar zeitweise in der Einliegerwohnung. Auch mein jüngerer Bruder zog aus und wurde selbstständig, baute und schuf sich so ein eigenes Leben in einem Nachbarort.
Auch gesundheitlich hatten beide zu kämpfen. Meinen Vater plagten die „Knochen“ von der schweren Arbeit auf dem Bau. Bei Wind und Wetter mussten Straßen geteert, Kanalschächte ausgehoben werden. Nur bei richtig schlechtem Wetter gab es das sogenannte Schlechtwettergeld und er konnte zuhause bleiben. Hautallergien machten ihm zu schaffen. Er hat früher an heißen Sommertagen nur im Unterhemd mit freiem Oberkörper geschafft, seine Haut war von der Sonne gegerbt und seine Arme und Schultern immer dunkel gebräunt. Doch der Straßenstaub, der Lärm der Baumaschinen und die körperliche wie psychische Belastungen hatten ihm über die Jahre doch merklich zugesetzt. Auf den Baustellen war er als Polier verantwortlich gewesen. Zwei schwere Unfälle von Mitarbeitern blieben ihm in Erinnerung.
Meine Mutter plagten die Knie, sie konnte kaum noch gehen. Die Knieoperationen brachten nicht die erhoffte Linderung, im Gegenteil eines der künstlichen Gelenke verschlechterte alles nur. Nachdem sich ihr Gesundheitszustand verschlimmert hatte, wurden wir doch von ihrem plötzlichen Tod infolge eines Schlaganfalles überrascht. Das war im Mai 2012.[viii] Mein älterer Bruder kümmerte sich derzeit noch um beide. Mein Vater musste danach das erste Mal in seinem Leben alleine zurechtkommen. Ich konnte ihn nur aus der Ferne telefonisch unterstützen so gut es ging. Wir richteten es von da an so ein, dass wir verbindlich jeden zweiten Tag telefonierten. Das war für uns beide neu, war es doch in all den Jahren davor meine Mutter gewesen, mit der ich telefonierte. Mein Vater war immer im Hintergrund geblieben und wechselte meist erst am Ende unserer Gespräche ein paar Wort mit mir. Das war jetzt anders.
Er konnte sich noch ganz gut selbst versorgen, freilich mit Abstrichen beim Kochen. Aber er ging selbst Einkaufen, das war ihm wichtig. Und in seiner Garage hatte er sich eine Werkstatt mit Werkbank eingerichtet. Ich witzelte manchmal mit ihm und fragte: Na, hast du wieder Schräubchen gezählt? Wir feierten noch seinen 85. Geburtstag in einer der letzten alteingesessen Wirtschaften mit zwei seiner Brüder, seiner Schwester, dem Schwager und den Schwägerinnen. Drei der Brüder und eine der Schwägerinnen waren schon verstorben. Die Geschwister haben untereinander immer zusammengehalten und sich für einander verantwortlich gefühlt. Ihre Geburtstage, außer den „Runden“, feierten sie zwar mittlerweile mit ihren eigenen Familien und Enkelkindern. Aber wenigstens einmal im Jahr trafen sich alle zusammen bei Kaffee und Kuchen in einem Lokal.
Mein Vater ist bald nach seinem 85. Geburtstag gestorben. Er hatte sich noch auf ein Treffen mit Sportsleuten beim sogenannten Olympiastammtisch gefreut. Dazu kam er nicht mehr. Wie ich später anhand seiner Unterlagen sehen konnte, wäre das Treffen auf der Theresienwiese während des Heilbronner Jahrmarkts, exakt an seinem Todestag gewesen. Zum Leichenschmaus fanden wir uns in der weiter oben genannten Gastwirtschaft Adler zusammen, keine 100 Meter von unserem Haus. Die Nachfolger von Emma Schmieg hatten zwar mittlerweile ebenfalls den Restaurantbetrieb eingestellt, doch für besondere Anlässe wie unsere Trauerfeier war es noch möglich, das Lokal zu buchen.
Hier soll die kurze Erzählung über meine Eltern enden. Aus einer Vielfalt an Erinnerungen habe ich einige zu einem Strang zusammenfließen lassen und einen Text daraus gebastelt. Oder anders ausgedrückt: Die einzelnen Ereignisse und Erinnerungsstücke wurden von mir wie Zutaten eines Kuchens zusammengebacken, und letztlich nur ein Stückchen herausgeschnitten. Dieses Stückchen ist freilich etwas ganz anderes als das gesellige Gemurmel bei Kaffee und Kuchen auf Familienfeiern. Dort gingen die mündlich erzählten Geschichten und Anekdoten ineinander über und wurden nicht in Text zusammengefasst und damit festgehalten.[7] Mündlichen Überlieferungen werden lebendig weitergetragen, folgen anderen Regeln und verblassen mit dem Wegsterben ihrer Erzähler so nach und nach. Was wissen wir noch? Was übrig bleibt wird auf gut Glück von der nachfolgenden Generation irgendwie weitergetragen. Sedimente im Bett eines Flusses.
Abbildung
Foto oben aus dem Nachlass. Vermutlich aufgenommen im August 1957 nach der standesamtlichen Trauung.
Vollständige Fotoserie als PowerPoint Präsentation online in der Sammlung des Projekts vorhanden.
Anmerkungen
[1] Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München 2013. Aleida und Jan Assmann unterscheiden kommunikatives, kollektives und kulturelles Gedächtnis.
[2] https://stadtarchiv.heilbronn.de/stadtgeschichte/geschichte-a-z/xyz/zerstoerung.html und https://stadtarchiv.heilbronn.de/stadtgeschichte/geschichte-a-z/123/04121944.html aufgerufen am 14.01.2025
[3] https://www.friedrichshall.de/de/familie-soziales/stiftungen/kz-kochendorf aufgerufen am 14.01.2025 bzw. https://www.friedrichshall.de/de/familie-soziales/stiftungen/kz-kochendorf/hintergrund/vernichtung-durch-arbeit und Bericht eines Zwangsarbeiters (Auswahl als Beispiel) https://www.friedrichshall.de/de/familie-soziales/stiftungen/kz-kochendorf/menschen/jerzy-kubicki aufgerufen am 14.01.2025. Buchausgabe Klaus Riexinger, Detlef Ernst: Vernichtung durch Arbeit. Rüstung im Bergwerk. Die Geschichte des Konzentrationslager Kochendorf – Außenkommando des KZ Natzweiler-Struthof. Tübingen 2002; ins besonders das Unterkapitel „Begegnung mit Häftlingen: Die Haltung der Bürger“, S. 60-69.
[4] Zum Thema Kriegs- und Nachkriegskinder gibt es mittlerweile zahlreiche Publikationen. Die Bedeutung der Traumatisierung der Großeltern und Eltern bis in die Enkelgeneration thematisiert besonders Raymond Unger u. a. in: Die Heimat der WölfeEin Kriegsenkel auf den Spuren seiner Familie – Eine Familienchronik. Berlin 2016. Siehe auch Videomitschnitte von Interviews mit ihm auf seiner Webseite https://www.raymond-unger.de/publikationen/heimat-der-woelfe/ aufgerufen am 24.01.2025.
[5] Die Trauerfeier fand am 25.05.2012 statt. Die Trauerrede habe ich damals von meinem Vater erhalten. Leider fehlt der Name des Pfarrers.
[6] Pfarrer Martin Odenwälder fasste seinen Werdegang in der Trauerrede wie folgt zusammen: „1950 beendete Herbert Kautz seine Maurerlehre bei der Firma Mangold, ging die nächsten acht Jahre zur NSU, war dort für die Blechformung der Lambrettas zuständig, arbeitete dann bis 1974 bei Kohler und Müh, anschließend bei er Firma Elischer als Maurerpolier, später bei Lang in Öhringen und Bopp in Widdern, um mit 60 Jahren in Rente zu gehen.“ Pfarrer Odenwälder überließ mir freundlicherweise eine Kopie seiner Rede mit dem Skript zum Ablauf der Trauerfeier am 17. August 2018.
[7] Zum Unterschied von Schrift, Text und grammatikalischer Sprache zur lebendig gesprochen Mündigkeit siehe Ivan Illich und Barrry Sanders: Das Denken lernt scheiben. Lesekultur und Identität. ABC. Hamburg 1988 sowie Ivan Illich: Im Weinberg des Textes. Als das Schriftbild der Moderne entstand. Frankfurt am Main 1991. Auf die Erkenntnis des Unterschieds von Text und Gemurmel wurde ich von Ivan Illich erst gebracht.
Bildschirmpräsentation, Bilderalbum, Datenblatt und Druckversion siehe Sammlung